Gänsehautmomente in Hobbiton

Hobbiton.

Vermutlich der Spot für jeden Herr der Ringe oder Hobbit Fan.

Ursprünglich, im Jahre 1999, wurde das Auenland aus Styropor und anderen, vergänglichen Materialien auf der Alexander Farm gebaut, doch als dann Peter Jackson auch den Hobbit abdrehte, entschied man sich dazu, das Set aus andauernden Materialien wie Holz zu errichten.

Der Sinn fürs Detail war hier besonders wichtig: beispielsweise wird in den Büchern wohl nur in einem Nebensatz erwähnt, dass die Hobbits unter einem Pflaumenbaum spielen. Im Film schafft es dieser Baum eine ganze Sekunde auf die Bildfläche. Doch das hinderte Jackson nicht daran, diesen einen Baum im Set zu platzieren. Da aber Pflaumenbäume zu groß gewesen wären, nahm man einfach Apfelbäume und passte die Blätter mittels Silikonimitaten an. Ebenso imitiert wurde der Baum auf der Hobbithöhle Bag End. Denn dieser Baum steht ja direkt auf einem Hobbithole, kann also keine Wurzeln haben und kann somit auch nicht überleben. Deswegen wurde aus Stahl, Silikon und Spraydosenfarbe dieser Baum zum Verwechseln ähnlich nachgebaut – ebenfalls für nur zwei Sekunden Screentime (und davon eine als Reflektion im Frog Pond).

Doch auch mit diesem Wissen bzw. trotz dieses Wissens machte der Besuch des Sets unheimlich Spaß. Aber, darf man da einfach rein- und rumlaufen?

Nein.

Da das Set immer noch auf Privatgrund der Alexander Farm liegt, muss man mit einer geführten Tour das Set besichtigen. Auf diesem Rundgang erkundet man jeden Winkel des Shires und erhält hier und da kleine Insiderinformationen über die Zeit des Drehs der Filme.

Lisa & ich haben uns zudem für die Evening Banquet Tour entschieden, bei der man das Auenland zum Sonnenuntergang als einzige, exklusive Gruppe erkundet und danach im Dragon Inn wie ein Hobbit trinkt und isst.

Allein diese Vorstellung kann einem Gänsehaut bereiten, doch bereits auf der Busfahrt vom „Visitorcenter“ zum eigentlichen Set war ich teilweise den Tränen vor Rührung nahe: denn während dieser 10 Minuten lief ein kleiner Full HD Film mit einem Vorwort von Peter Jackson, Szenen aus dem Making of Hobbiton sowie den bekanntesten Szenen der Filme im Auenland – bspw. Gandalfs Cutting, als er auf dem Leiterwagen angeritten kommt, Frodo ihm Unpünktlichkeit vorwirft und Gandalf erwidert, dass ein Zauberer nie zu spät oder zu früh komme, sondern immer dann, wann er es beabsichtige. Die Blende bei Gelächter der Beiden und epischem Herr der Ringe Soundtrack war Gänsehautfeeling pur.

Doch nun war es endlich so weit: wir betraten das Auenland.

Erst ging es durch die kleine „Schlucht“ Gandalfs Cutting, durch die einst ein Hobbit mit den Worten „I am going on an adventure“ rannte:

Unmittelbar danach stand man vor den Vegetable Gardens mit ihrem bekannten Hobbithole Nummer 25:

Von hier hatte man auch einen guten Blick zum Bag End auf The Hill:

Auf dem weiteren Marsch durch The Shire taten sich immer wieder neue Hobbithöhlen mit kleinen Detailspielereien auf.

So wurde hier eine Schubkarre zum Verkauf angeboten:

Oder hier Käse im Vorgarten verkauft:

Ebenso schnuckelig die kleinen Gaubenfenster mitten im Grün:

Oder die kleinen Pfade zu den Brunnen:

Dass man sich nicht verirrt, wurde durch Wegweiser sichergestellt:

Wäsche wurde auch zum Trocknen herausgehängt:

In eine Höhle konnte man sogar hinein und so den Hobbitholeview erleben:

(Alle übrigen Indoorszenen wurden in einem Filmstudio in Wellington gedreht. Hier wurde ständig der Effekt der perspektivischen Verzerrung angewandt, dass die Hobbit als egtl. normale Schauspieler wirklich klein aussehen. Für Gandalfs Cutting bspw. waren Frodo und Gandalf nicht direkt nebeneinander, sondern über drei Meter auseinander, damit die Illusion des Größenunterschieds wirken konnte!)

Doch wieviele Eindrücke die ca. 40 Hobbithöhlen tatsächlich hinterließen, lässt sich in Textform nur kaum beschreiben.

Denn hinter jedem Hügelchen oder jeder Kurve warteten neue, für sich erneut süße Erdhöhlen.

Irgendwann kam man dann auch nicht drum rum, selbst Hobbit sein zu wollen und vor einer kreisrunden Tür zu posieren:

Doch als man dann am Bag End vorbeilief, bot sich ein wahrlich filmreifer Ausblick: über das Auenland hinunter zum legendären Dragon Inn und The Mill:

Dieser Ort war auch schnell erreicht und begann sich die Banquet Tour erneut von der Standardtour abzuheben: bei Betreten des Inns gab es Hobbitbier aus einem original Hobbitkrug aufs Haus, gezapft von unseren Guides.

Mit den ebenfalls bereit gelegten Kostümen konnte man dann einen erneuten Hobbitshot machen:

Irgendwann bat dann Sonny, einer unserer Guides um Ruhe, da der Höhepunkt des Abends bevorstand: die Eröffnung des Hobbitbuffets! Die jüngsten unter uns durften den Vorhang lüften um somit den Weg in den Speisesaal frei zu machen:

Hier gab es einfach so viel zu Essen – und so viel Gutes dazu: Schweinehaxe, Hähnchen, Lachs, Würste, Kartoffelbrei, Süßkartoffel, Pilze, Karotten, Salat, Linsen, Brot, Obst und einiges, was mir einfach nicht mehr einfällt, da wir alle in einer Art Fressrausch waren 😉

Und auch die übrige Einrichtung hielt sich mit beeindruckenden Details nicht zurück:

Besonders angetan hat es mir die Sitzecke mit Kamin gleich neben der Bar:

Während wir also so dahinschlemmten, ging natürlich die Sonne unter. Ich hatte in kalküler Voraussicht mein Stativ dabei, um auch bei diesen Lichverhältnissen einmalige Hobbitoneindrücke einzufangen.

So wirkte The Dragon Inn bei Nacht in warmer Beleuchtung gleich noch viel einladender:

Eine ähnliche Wirkung hatten die im Innenhof zwischen den Bäumen hängenden Laternen des Wirtshauses:

Doch das absolute Highlight war dann der Sternenhimmel mitsamt der Milchstraße beim Blick über The Lake zum Party Tree:

Wars das?

Nein!

Wir mussten ja noch irgendwie zurück zum Bus kommen. Für diesen letzten Specialteil der Tour, nämlich der Nachtwanderung durch The Shire, erhielten wir altmodische Laternen, um uns den Weg zu leuchten.

Hin und wieder stoppten wir auf unserem Weg, um weitere interessante Facts und Anekdoten zu erfahren.

Und auch hier waren die Hobbithöhlen an sich einfach nett anzusehen, besonders da sie nun stimmungsvoll beleuchtet waren:

Beim letzten Stop am Party Tree stellten wir uns dann im Kreis auf, löschten das Laternenlicht und schlossen die Augen – denn dann sang einer der Guides, vermutlich Mark, mit beeindruckend weicher Stimme den Ed Sheeran Song der Herr der Ringe Saga I see fire.

Nach diesem fast schon romantischen Ende ging es dann mit dem Bus zurück zum Visitorcenter – doch auch auf diesen letzten Metern schaffte es die Tour uns mittels einem Best of Lord of the Rings Landscape Shots Clip wahrlich aus dieser Welt zu heben und nach Mittelerde zu bringen. Inkl. Gänsehaut. Traumhaft.

Zusammenfassend also eine Tour, die es wirklich wert war. Vielleicht greift hier sogar das Sprichwort, dass das Beste zum Schluss komme. Doch bevor wirklich Schluss ist, liefere ich jedenfalls erstmal ein Fass Hobbitbier aus:

Werbeanzeigen