Waitomo Caves

Als weiteres Ziel im Norden stand u.a. auch eine Höhle fest, in der man die in Neuseeland bekannten Glowworms sehen kann. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder man schaut sich nachts selbst um und spottet diese kleinen Tierchen an Felswänden o.ä., oder man besucht eine Höhle, in der sie rund um die Uhr leuchtend zu entdecken sind. Da das mit dem selbst Umschauen bisher immer erfolglos war, wurde es also langsam mal Zeit für einen ordentlichen Höhlenbesuch. Aber auch hier die Qual der Wahl: eine gratis Höhle in Waipu, in der man fotografieren darf oder die deutlich berühmtere Höhle in Waitomo, in dir man nur mit bezahlten Touren hinein darf und in der meist auch keine Fotografie erlaubt ist.

Aufgrund eines 50% Rabatts via Bookme und der Lage auf unserer Route (Waipu war 400km in der komplett falschen Richtung) entschieden wir uns dann für eine „Blackwaterrafting“ Tour in den Waitomo Caves.

Unser Anbieter besucht einen etwas anderen Teil der Höhlen als der Marktführer. Das macht aber nichts, da man die Würmchen eh überall sieht und uns eine kleine Gruppengröße von nur 6 (!) Teilnehmern wichtiger war. Unsere Truppe bestand aus Lisa, mir, zwei Österreicherinnen Marina und Lia , einer Spanierin Bettina und einer Australierin Stacy:

Am Anfang wieß uns Simon in die nötigen Sicherheitsrichtlinien ein, gab uns die Ausrüstung bestehend aus 5mm Neopren, Fancy Pants, Klettergurt, Helm mit Stirnlampe und Gummistiefeln. Eine kleine Trockenübung zum Abseilen und schon gings los:

Ich war der erste, der sich die gut 27 Meter senkrecht zum Höhleneingang abseilen sollte.

An sich war das kein Problem, ich hatte sogar eher Schwierigkeiten Geschwindigkeit aufzubauen. Allerdings drehte ich mich, und später auch alle anderen, irgendwie unkontrolliert – manchmal dann eben auch mit dem Rücken zur Felswand. Auch das hat man hinbekommen. Insgesamt war dieses Abseilen aber sehr cool – da bekam man fast Lust, mit dem Klettern am Seil anzufangen 😉

Unten angekommen legten wir dann das Klettergeschirr ab, erhielten einen schwarzen Gummiring, um auf dem Wasser zu treiben und erkundeten erst die eine, dann die andere Seite der Höhle.

Bereits auf den ersten Metern waren die kleinen, wie einem Sternenhimmel gleichenden, blauen Glühwürmchen deutlich zu sehen und äußerst beeindruckend.

An einer Kiesbank hielten wir inne, da hier besonders viele Würmchen zu sehen waren (das u.s. Bild wurde allerdings woanders geschossen).

Simon nutzte die Gelegenheit, um uns einige Fakten über die Tierchen zu erzählen:

  • Die Glowworms, also Glühwürmchen, sind eigentlich keine Würmchen oder Würmer, sondern Maden.
  • Maden einer bestimmten Fliegenart, deren Namen ich vergessen habe.
  • Sie sind wenige Millimeter dick und gute 2-3cm lang.
  • Am Ende ihres Körpers besitzen sie das charakteristische Leuchtorgan, mit dem sie in Dunkelheit andere Insekten anlocken.
  • Diese Insekten verfangen sich dann in den ebenfalls von den Maden herunterhängenden Fangfäden, an denen sich Substanzen zum Festkleben und Paralysieren der Beute befinden.
  • Im weiteren Verlauf injizieren die Würmchen Enzyme, die das gefangene Insekt von innen verflüssigen, ehe dieser Cocktail dann vom Jäger ausgeschlürft wird.
  • Irgendwann reifen die Maden dann zum erwachsenen Fliegentier heran. Mit einer Lebensdauer von weniger als einer Woche versuchen die Weibchen, so viele Eier befruchtet zu bekommen, wie irgendmöglich. Die hierzu benötigten Männchen werden nach dem Koitus (angeblich) blind, sodass diese selbst in die Fangarme der anderen Maden geraten und ebenso verspeist werden.
  • Funnyfact: bei Lärm leuchten die Würmchen intensiver, da die Schallwellen Vibrationen verursachen, die die Tierchen an andere Insekten/Beute denken lassen. Beim Anleuchten mit der Stirnlampe dimmen sie dagegen ihr Leuchtorgan, bis dass es komplett erlischt, da bei (Tages)licht keine Jagd betrieben werden kann.
  • Auf diese nun weniger romantische und eher brutale Weise wird das Phänomen „Glowworm Caves“ aufrecht erhalten.

Der übrige „Adventure“ Teil der Tour, also hauptsächlich das Rafting, war aufgrund der ausbleibenden Regenfälle und niedrigen Wasserstandes eher ein gemütliches auf dem Schwimmring Dahintreiben.

Dennoch gab es eine tiefe Stelle, in der ich nach Simons Kommando „Alex, stand up!“ einmal schön abgetaucht bin. Bin ich ihm wohl auf den Leim gegangen 😉

Andere Passagen hingegen waren zum Durchschwimmen oder Durchdrücken:

Nach diesen „Strapazen“ gab es dann eine erneute Pause, dieses Mal mit warmen Tee und Schokolade, um die Würmchen erneut zu bewundern. Nebenbei fanden wir dann aber auch einen Aal im Wasser (die leben hier anscheinend zu Hauf und werden über 100 Jahre alt) oder eine Spinne in der Ecke.

Zum Abschluss stand dann allerdings noch der Aufstieg über 20m. Hier war man ebenfalls am Seil gesichert und war so beim Klettern deutlich mutiger. Auch hier gab es keine Probleme. Die Hauptbeschäftigung war eher, „Simon, help me“ in einer weinerlichen Stimme zu rufen, wenn jemand mal etwas länger an einem Tritt verharrte 😉

Zusammenfassend war diese über fünfstündige Tour schon ziemlich sehenswert. Zwar war der Adventure-Teil vermutlich eher etwas, um Touris anzulocken, jedoch wars mir so irgendwie lieber, als mit 20 anderen in einer Nussschale zu sitzen und durch die Höhlen zu treiben. Und bei 50% Rabatt kann man sich eh nicht beschweren.

Der einzige Wehmutstropfen: Fotografie war ja nicht erlaubt, also musste ich für diesen Beitrag auf die von Simon geknipsten und zur Verfügung gestellten Bilder zurückgreifen. Manche davon sind auch bei professionellen Shootings entstanden, da in der Höhle keinesfalls Zeit für ellenlange long Exposures gewesen wäre…

Am Abend fuhren wir dann zu einer gratis Campsite nahe Te Kuiti, dem Mangaokewa Reserve. Am Fluss gelegen, wenige Camper anwesend, stellenweise mit Handyempfang und mir spülbaren Toiletten war dieser Übernachtungsplatz ein echter Glücksgriff!

Hier trafen wir auch die selbsternannten Österreicher aus Garmisch Kilian, Christoph und Korbinian – anscheinend haben sie bessere Erfahrungen gemacht, sich als Österreicher und nicht als Deutsche vorzustellen. Weiß ich nicht, da ich mich als Bayer/Bavarian vorstelle. Diese Heimatsnähe wurde am ersten Abend mit deutlich mehr als einem Bier befeiert! Der unvermeidliche Katermorgen war dann auch nur halb so schlimm, weil uns am Tag 39 nämlich das vorhergesagt schlechte Wetter einholte…

Regen.

Den ganzen Tag.

Überall.

Selbst beim Liquorshop!

Also spielten wir fünf eben Wizard und Kniffel in der trockenen, beheizten, mit gratis Wifi ausgestatetten öffentlichen Bibliothek in Town ehe wir abends mittels einer Regenplane aus dem Warehouse unser Lage regenfest und gemütlich gemacht haben:

Programm: mehr Bier, mehr Cider, mehr Wizard und mehr Kniffel.

Als dann der nächste Morgen überraschender Weise mit schon fast gutem Wetter begeisterte, starteten Lisa und ich den Tag entspannt mit einer neuen Kreation: Wraps mit Schmelzkäse aus der Pfanne/dem Topf. Die Wraps werden knusprig, der Käse schmilzt, beides ist warm. Bei mangelndem Plan zog sich dieses Frühstück ein bisschen, ehe wir von der äußerst motivierten Mitarbeiterin der i-Site Pläne für vermutlich weitere fünf Wochen in der Region vorgeschlagen bekommen hatten.

Folglich verschlug es uns auf den nahe gelegenen Waitomo Scenic Drive, auf dem es im Endeffekt drei besondere Stops gab:

– Piripiri Caves. Leider ohne Glowworms und nur kurzstreckig begehbar.

– Mangapohue Natural Bridge. Irgendwie formte sich hier durch Gesteinsverschiebungen eine Art Brücke aus Fels und Waldboden über einem Flusslauf.

– Maropoka Falls. Wasserfälle eben. Deutlich schöner als erwartet, was man auch an einem Pärchen merkte, dass hier gefühlte Ewigkeiten für Instagramshots mit Productplacements verbrachte.

Bei der Rückkehr zur Campsite entdeckten wir voller Freude, dass die drei Garmischer – ebenfalls wie wir ungeplant – zur Campsite zurückgekehrt waren. Diesesmal war dann auch Zeit für ein Gruppenbild:

…und auch diesen Abend kartelten wir ein bisschen zusammen, doch irgendwie war jeder ein bisschen müde von den vorherigen Tagen, sodass alles eher gechilled war – ein schöner Abschluss der Waitomo Region!

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