Wellington

In Wellington, der 200.000 Einwohner starken Hauptstadt von Neuseeland, suchten wir uns eine Freedomcampsite im Süden der Stadt. Louis war hier als self-contained vehicle offiziell erlaubt, Rüdi hingegen nicht. Allerdings waren um die Ecke normale Parkplätze, auf denen man bestimmt auch mal über Nacht parken darf… Diese Spitzfindigkeit hat mir nach der zweiten Nacht dann eine offizielle Warnung des Councils an der Windschutzscheibe eingebracht, dass es eben nicht erlaubt sei und ich das Fahrzeug wegbewegen soll, wenn ich kein 200$ Instant Fine erhalten will. Aber eins nnach dem anderen!

Bei Ankunft war nämlich klar, dass Lisa ihre Studienkollegin Micha treffen wird. Mit ihr sind wir dann auf den „Mount“ Victoria gelaufen, dem Aussichtspunkt über Welly. Leider war an diesem Abend das Wetter nicht das beste, die beiden hatten trotzdem ihre Freude:

Nach dem Abstieg sind wir dann noch entspannt entlang der Waterfront flaniert und kehrten bei einem Italiener ein. Nach so langer Zeit nur Camping- oder Fast Food wars wirklich an der Zeit, eine anständige Pizza zu essen. Und die von mir bestellte Quattro Stagioni war auf jeden Fall mehr als deliziös! Mit einem Knoblauchpizzabrot vorne weg und einem ital. Bier kann man sich echt nicht beschweren. Als dann auch noch der Black Russian im Angebot war, waren diese 10$ auch fix verbucht 😉

Dennoch war dieser Abend etwas überschattet von einem Missgeschick – zumindest für mich: mir ist nämlich mein Handy herunter gefallen… Selbiges ist zwar schon hundert mal passiert, aber genau in Neuseeland gibt dann natürlich das Display komplett den Geist auf. Glücklicherweise, so wie es eben der Zufall will, repariert Michas Freund Handys und gab mir für den nächsten Tag eine Empfehlung.

Das war dann am Tag 30 auch gleich der erste Stop: Handyreparatur in Lower Hutt. Die grob zweistündige Wartezeit überbrückten wir mit dem Kauf einer neuen GoPro für Lisa und Frühstück im Park. pünktlich um 12 konnte ich dann – um 360$ ärmer – mein fast wie neues Handy wieder in den Händen halten. Was man nicht alles tut, um einen Blog zu schreiben. Oder im Urlaub zu navigieren. Oder Infos über Places to be einzuholen. Oder mit der Heimat zu kommunizieren. Was ich sagen will: ohne Handy ist man irgendwie aufgeschmissen, wenn man für keine analogen Backups gesorgt hat.

Da das Wetter dann so angenehm schön war, gönnten wir uns danach dann eine Sonnen- und Wasserbad im Freibad ehe wir zurück ins CBD von Wellington fuhren, um dort ins Nationalmuseum Te Papa Tongarewa zu gehen.

Museen sind in Neuseeland üblicherweise eintrittsfrei, es sei denn, es gibt besondere Zeit- oder Zusatzaustellungen. Im Te Papa interessierte uns eigentlich nur der eigens konstruierte Raum, in dem man ein Erdbeben hautnah erleben kann. Leider war dieser wegen Wartung/Renovierung geschlossen. Allerdings gab es eine andere, wohl mindestens genauso populäre Ausstellung:

Gallipoli – the scale of our war

Hier wurde auf äußert anschauliche und bildhafte Art und Weise ANZACs Beteiligung im ersten Weltkrieg dargestellt – insbesondere die Schlachten in und um Gallipoli gegen die türkischen Streitmächte. Besonders beeindruckend waren die überlebensgroßen Wachsfiguren einzelner Persönlichkeiten in diesem Krieg, wie bspw. Offiziere, Ärzte, Krankenschwestern oder Soldaten niederer Ränge, die mit enormen Reichtum an Detail und Emotion einen wirklich mitfühlen haben lassen.

Besonders die Geschichte der Krankenschwester Lottie le Gallais, die sich freiwillig gemeldet hatte, um ihren Bruder an der Front zu treffen, und dann nach monatelangem erfolglosen Briefverkehr alle versandten Briefe als Paket zurückbekommen hatte – schlicht mit dem schwarzen Stempel „KIA“ – Killed in action – versehen.

Hier konnte man sich in jedes dieser Einzelschicksaale einlesen, bekam zudem auch noch weitere Veteranenkommentare über Kopfhörer und Lautsprecher zu Gehör und konnte sich bspw. besondere Checkpoints in Miniaturmodellen ansehen, als auch das Periskopgewehr „ausprobieren“ oder die Schützengrabenatrappe ansehen: hier löste das in eine Feldflasche tröpfelnde Wasser hin und wieder einen Schuss aus, sodass die Türken von besetzten Schützebgräben ausgingen und nichts vom neuseeländischen Rückzug ahnten.

Im Großen und Ganzen scheint die WWI Beteiligung aufgrund der widrigen Bedingungen und enormen Verluste ein ziemliches Trauma für Neuseeland zu sein – was in dieser mehr als sehenswerten Ausstellung deutlich herüber kommt.

Nach diesem eher ernsten Programmpunkt schlenderten Lisa & ich – diesmal bei hervorragendem Wetter – erneut über die Waterfront. Hier konnte man Drachenboote, Plankenspringer und vieles mehr beobachten.

Am Ende unseres Spaziergangs stand dann ein Einkehren in eines der für Wellington typischen Cafe/Bars an: einfach einen Sitzsack oder eine Bastmatte schnappen und auf der Wiese den eiskalten Cider in der Abendsonne trinken.

Auf dem Heimweg fuhren wir dann noch an einem der eher schöneren Sonnenuntergänge vorbei, ehe es an der Campsite erneut unser Gourmet Menü zum Abendessen gab: Schrimps mit Blattspinat, Couscous und Feta sowie Cherrytomaten und Zucchini.

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