Die Fahrt in den Süden

Tag fünf der Reise begann mit Regen. Glücklicherweise kann ich von meiner Matratze mit nur wenig Verrenkung auf den Fahrersitz schlupfen, sodass die morgendliche Kälte und deren Regen mir nichts anhaben konnten. Wie bereits am Vorabend besprochen haben nun Lisa mit ihrem Louis und ich mit Rüdiger einen Konvoi gebildet (Der aufmerksame Leser weiß, dass es insgesamt trotz vier Namen nur zwei Menschen sind). Das schlechte Wetter hinter uns gelassen stoppten wir zum ersten mal kurz vor Twizel bei den Feldern von Pelennor/Rohans, einer der vielen Drehorte von Herr der Ringe:

Nach diesem Stop gabs eine kurze Pause in Twizel selbst, um mit warmen Kaffee und Pies den Tag zu beginnen. Steak Chunks und Bacon Cheese Egg, einfach gut! Außerdem mussten wir beide unsere Vorräte im Four Square Supermarket auffrischen, als auch tanken. Mit derzeit 6,5-7,5l/100km hält sich der Verbrauch aber in erträglichem Maße.

Eine kurze Fahrt weiter gab es im Otematata Wetlands Track vermutlich viel interessante Flora und Fauna zu erkunden, allerdings fehlte uns beiden dafür das nötige Vorwissen. Interessant wars allerdings schon irgendwie, vor allem der Strawberry Tree, dessen Früchte wie grüne Erdbeeren aussehen, aber als ungenießbar gelten:

Beim weiter südlich gelegenen Aviemore Dam Lookout war auch eher Walter der Schafsbock interessanr, als die dortige Aussicht.

In Kurow ereignete sich dann etwas kurioses: bei der Suche nach dem Parkplatz für den dortigen Kurow Island Walk hielten wir in einer Seitenstraße. Nach Klärung der Route mussten wir wenden und die direkt vor uns liegende Kreuzung geradeaus überqueren. Leider hats einer von uns geschafft, die Kreuzung auf der rechten Spur anzufahren und sie somit als Geisterfahrer zu kreuzen. Weit und breit kein Auto, nur eben der Pickup der Polizei… klar, blau und rote Blinklichter ließen nicht lange auf sich warten, da wird man angehalten. Aber glücklicherweise nur ermahnt.

Ob es nun aber Lisa oder ich war, soll an dieser Stelle eine unbeantwortete Frage bleiben 😉

Der eigentliche Walk auf der Insel dann war auch sehr entspannt, aber unserer Hilfsbereitschaft geschuldet von einen kühlen Bier begleitet: eine Gruppe Kiwis waren mit ihren Motorbooten unterwegs und brauchten Benzin. Wir haben sie zur Tankstelle und zurück gefahren, das sparte ihnen Fußweg und brachte uns Bier und etwas für die Reisekasse ein 😉

„Kiwi“ ist nicht nur die grüne, haarige Frucht, die man in Deutschland kennt, oder der nachtaktive Vogel, den man in Neuseeland unbedingt sehen will, sondern auch die inoffizielle Bezeichnung für Neuseeländer selbst. Außerdem gibts hier auch eine goldene Kiwi: ebenfalls eine braune Schale, nur ohne Haare und mit gelben Fruchtfleisch – hier muss man auch nichts schälen!

Die Abendstunden verbrachten wir am Moreaki Lighthouse als eine der Möglichkeiten, wild lebende Pinguine und Robben zu sehen. Vielerorts werden Pinguin“shows“ auf Tribünen an deren Landungsorten für teures Geld angeboten, doch nach ein wenig Recherche kann man das auch umsonst haben, incl. des Nervenkitzels, ob denn wirklich Pinguine kommen. Besonders die seltenen Gelbaugenpinguine möchte man hier zur Dämmerung an Land zurückkehren sehen – und ja, trotz des nötigen Sicherheitsabstandes zum Wildlife haben wir insgesamt 6 Pinguiene ankommen sehen:

Robben waren hier wahrlich wie Sand am Meer, teilweise sogar oben auf der Klippe, auf der alle Touris umherlaufen sind:

Bei einem stimmungsvollen Sonneruntergang waren diese Tierbeobachtungen ein sehr schöner Abschluss des Tages:

Doch bevor wir die Campsite aufsuchten, statteten wir den Moreaki Boulders einen kurzen Besuch ab. Diese kleinen runden Steinbobbel bieten ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv, z.B. dieser, der dem Todesstern aus Star Wars sehr ähnlich sieht:

Hier trafen wir auch Christian aus Deutschland, der mit exzellentem Equipment und einen hervorragendem Auge fürs Bild einen Fotourlaub durch Neuseeland macht. Er verbrachte fast den ganzen Tag an diesem Ort und konnte einen beim Zeigen seiner Bilder auf der Kamera wirklich neidisch machen… Auch wenn er die Sonnenuntergangsreflektion im nassen Sand nicht sehr spektakulär fand, war diese mir ein Bild wert:

Nachdem der Abend mit Hummuscrackern und Rotwein angemessen ausgeklungen ist, gab es für mich nicht allzu viel Schlaf. Denn für die Boulders habe ich mir überlegt, sie zum Sonnenaufgang erneut zu besuchen, und mich mit allen möglichen Perspektiven zu spielen:

Während ich diese ganzen Bilder gemacht habe, habe ich zum einen Christian wieder getroffen, und zum anderen kam dann auch Lisa irgendwann nach. Bei strahlendem Sonnenschein gönnten wir beide uns dann erstmal ein entspanntes Frühstück mit frischem Kaffee und was unsere Vorräte sonst noch so hergaben:

Weiter ging es dann über schöne Straßen an der neuseeländischen Küste entlang. Leider zog der Himmel auch ein bisschen zu, sodass wir eher fuhren, als an Stränden wanderten.

Wobei – einen kleinen, auf Campermate als „Bester Walk in NZ“ angepriesen haben wir dann doch gemacht. Hohe Erwartungen sind ja nie besonders gut, also sagen wirs so: der Spaziergang war ok 😉

Kurz vor Dunedin gab es dann aber eine Glowworn „Cave“. Keine richtige Höhle, sondern eher ein Entlangwandern zwischen hohen Felswänden. Hier scheinen wohl sie für Neuseeland berühmten Glühwürmer zu leben. Allerdings kann man dieses Glühwürmchen-artige Spektakel nur bei Nacht bewundern. Dennoch war der Stop hier seine Zeit wert, da das Laufen, Kraxeln und Klettern zwischen den Steinen und Bäumen des Bachlaufs schon irgendwie spannend war. Am Ende wurden wir dann sogar mit dem Anblick eines Wasserfalls belohnt – doch hiervon sollten wir ja bald eh mehr sehen 😉 #spoiler

In Dunedin selbst hielten wir uns dann nicht allzu lange auf. Eigentlich nur für einen Einkauf bei Pack & Safe und eine kurze „Stadttour“ bei der Durchfahrt mit dem Auto – hat für die viele Streetart, schnuckeligen Häuschen und zahlreichen Kirchen gereicht. Doch die Otago Peninsula war uns einen weiteren Stop wert, insbesondere der „Geheimtip“ der Sandflybay. Bekannt für ihre Naturschönheit und Pinguinsichtungen lockt diese mittlerweile allerdings mehr Touristen, als es einem Geheimtip zustünde.

Wegen des aufkommenden Regens, der Tatsache, dass wir bereits Pinguine gesehen hatten und dass wir irgendwie weiter wollten, fuhren wir auch zügig weiter: zu einem Campingplatz in den Catlins. Hier zog es mich für den stürmischen Sonnenuntergang zum Nuggetpoint Lighthouse…

…ehe wir nach Fussili in Pilz-Zuchini-Tomatensoße mit Feta und Wein noch bei einem eiskalten windgekühlten Cider im Wohnzimmer Louis‚ den Abend ausklingen haben lassen – so muss das sein!

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