Wanderwahnsinn im Arthurs Pass

Die Nacht an der Klondyke Corner war äußerst kalt – vielleicht muss ich also meine Schlafsackdicke nochmal überdenken und gerade mit Blick auf Nächte in einem Zelt upgraden…

Erfroren bin ich allerdings nicht, sodass ich direkt aus dem Bett zum Fahrersitz geklettert bin und zum Arthurs Pass Village gedüst bin. Um 7 Uhr Morgens (nachdem der Sonnenaufgang aus dem Auto betrachtet nicht allzu spektakulär war).

Erste Wanderung waren solide 20 Minuten zum Devils Punchbowl Fall:

Auf dem Rückweg habe ich eine kleine Abzweigung entdeckt, die zum Aicken Track führte. Vorher nichts davon gehört, dachte ich mir, lauf ich mal los. Nicht die beste Idee: über 1.5h beschwerlichen Aufstieg entlang eines Bachlaufes, teilweise mit Kletterpartien und rutschig vom Bach waren die Bedingungen – Gott sei Dank allerdings im Schutze des bei noch morgendlichen Sonnenstandes im Schatten liegenden Westhangs. Am Ende gab es immerhin eine passable Aussicht von der Baumgrenze auf ca. 1300hm, wo der Track dann endete.

Um 10 Uhr war ich dann wieder beim Auto. Kurz entspannt, Wasserreserven aufgefüllt und dann mehrere kleine Trips von verschiedenen Parkplätzen gestartet:

Lake Misery und dessen Nature Walk (das Ziel habe ich wegen knietiefen Sumpfes nicht erreicht, aber der Weg vorab war schon schön)

Otra Viaduct (ein simpler Aussichtspunkt auf die beeindruckende Brückenkonstruktion)

Bealey Valley Chasm (ein Strom, der sich durch dir Felsformationen drängt)

Gegen 13 Uhr war das dann alles erledigt, sodass ich egtl. weiter wollte. Einen kurzen Besuch im Visitor Center habe ich mir aber trotzdem gegönnt:

Hier habe ich dann irgendwie Lust auf den von mir ursprünglich als zu schwer ausgeschlossenen Aufstieg zum Avalance Peak bekommen und trotz vorangeschrittener Zeit auch in Angriff genommen.

Start: 1330h. Vorausgesagte Dauer: 6-8h. Sonnenuntergang: ca. 21h. Also sicherheitshalber mal Stirnlampe und Bivak eingepackt, schließlich war ich ja alleine unterwegs.

Als Aufstiegsroute wählte ich den bekannt beschwerlicheren Avalance Peak Track, der 1100hm in weniger als 2400m Distanz überwindet. Und genau das hat man von Anfang gemerkt: extrem steiler Aufstieg mit vielen Kletterpartien, diesesmal nicht im Schutze des Westhangs.

Nach ca. 65min hatte ich da die Hälfte des Aufstiegs erreicht: die Baumgrenze. Hier gabs dann erstmal eine kleine Pause.

Aber nicht zu lange, denn ich wollte auf dem Gipfel. Problem: der anstrengende Aufstieg vom Morgen machte sich langsam bemerkbar, sodass ich hin und wieder immobilisiernde Krämpfe in den Beinen bekommen habe.

Umkehren? Auf keinen Fall!

Ich. Will. Da. Hoch!

Diese Einstellung teilten auch die beiden Kanadier Amanda und Rob, mit denen ich während des Aufstiegs ein Team formierte.

90 Minuten später, nach zahllosen Krampfbedingten Pausen sowie etlicher Fragen an einen selbst, warum man das egtl. macht, war es so weit:

Wir haben es auf den Gipfel geschafft!!! 1833m!

Nachdem Amanda, Rob und ich diese Aussicht in uns aufgesaugt hatten:

…Ging es über den entspannteren Scotts Track in nervigen 2.5h zurück ins Tal. Hier gönnten wir uns ein kaltes Bier in einer Bar, kochten auf dem Campingplatz Nudeln in Tomatensauce mit Würschtl, Pilzen und Paprika, tranken noch ein, zwei Bierchen, Weine oder Cider und waren dann mehr als bereit, zu schlafen.

Nach für mich guten 38000 Schritten und bestimmt 10h Wanderung auch verstänlich. Hoffe ich.

Alles in allem also ein wahnsinns Tag – wahnsinnig schönes Wetter, wahnsinnig schöne Aussichten, wahnsinnig viele Wanderkilometer und drei wahnsinnig große Blasen an den Füßen 😉

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