Wreck Diver made in Hawaii

Es hat ein bisschen gedauert, bis die Entscheidung gefallen ist, doch nachdem ich im Internet von über 10 betauchbaren Wracks im Umfeld von Oahu gelesen habe und mir eine Tauchschule ganz gut zugesagt hat, war es dann klar:

Ich wollte die PADI Wreck Diver Specialty im Waikiki Diving Center erreichen!

An diese Idee habe ich mich festgesaugt, wie dieser Oktopus an meine Hand 😉

Hierfür wurde ich an vier Tagen für Twotanks um sieben Uhr morgens herbeizitiert. Auf dem Plan standen die Wracks der Sea Tiger, YO 257 & der San Pedro. (Wer mehr Details über die einzelnen Wracks lesen möchte, kann das auf der Seite einer anderen Tauchschule Hawaiis.) Aufgrund der Tiefe der Wracks auf 100ft/30m wird bei diesen Twotanks meist nur ein Tauchgang am Wrack, der andere im flacheren Riff durchgeführt. Doch gleich am ersten Tag hatte ich Glück: da mein Instructor Jared zwei Tage im Urlaub sein wird, packten wir zwei Wracktauchgänge rein – etwas kürzer in der Tiefe und eine längere Oberflächenpause machens möglich.

Netter Start 😉

Der Kurs ansich ist relativ simpel aufgebaut, denn jeder Kurstag ist einem bestimmten Thema gewidmet, der zuvor Mittles des Manuals vorbereitet wurde:

Tag 1 / erster Wracktauchgang

Dieser Dive ist fast schon ein normaler Fundive. Haupt“aufgabe“ war das Erreichen einer neutralen Buoyancy und das einfache Umtauchen des Wracks mit besonderem Augenmerk auf mögliche Gefahren wie zB.:

  • Spitze/Scharfe Kanten
  • Mögliche Instabilitäten des Wracks
  • Alte Fischernetze
  • Strömungen

Tag 2 / zweiter Wracktauchgang

Beim zweiten Besuch geht es schon ein wenig mehr ins sogenannte „Skilling“: hier musste ich mit Bleistift und Unterwasserpapier (im Prinzip Plastik) eine grobe Karte des Wracks anfertigen. Wichtig waren hier vor allem die Positionen und Tiefenangaben wichtiger Landmarken wie der Ankerpunkt der Mooring Line, des Wheelhouses, Eintrittspforten sowie andere bemerkenswerter Strukturen. Optimalerweise sollte man eine solche Karte vor jeder geplanten Wrackpenetration (also dem tatsächlichen „Betreten“ des gesunkenen Schiffs) anlegen, da gerade durch die in der Tiefe lauernden Gefahren ein genauer Plan unersetzlich ist. Zu diesen Gefahren gehören u.a.:

  • Stickstoffnarkose (der zu grob 80% in der Atemluft enthaltene Stickstoff kann in der Tiefe (also unter höheren Drücken eingeatmet) berauschend und/oder desorientierend wirken, sodass man u.U. irrationale Dinge tut, wie immer tiefer zu tauchen oder die Nullzeit zu ignorieren)
  • Kürzere Nullzeiten (durch die tiefe Lage der Wracks zw. 35 und 25 Metern herrschen teilweise über 4 Bar Umgebungsdruck – ebenso hoch ist dann auch der Druck der Einatemluft, also auch der des eingeatmeten und im Körper gelösten Stickstoffs. Da PADI Tauchgänge immer so plant, dass man im Falle dessen ohne Sicherheitsstop auftauchen kann, also ohne Dekompressionsstops, sinkt diese erlaubte Verweildauer naturgemäß mit steigender Exposition zu höheren Drücken, i.e. Tauchtiefe)
  • Höherer Luftverbrauch (hier spielt ebenso die Physik die zentrale Rolle: eine Tauchflasche mit 10l Volumen auf 200bar Pressluft hat 2000l Luft auf der Wasseroberfläche anzubieten. Würde man ausschließlich auf 10m aus dieser Flasche atmen, herrschen 2bar Umgebungsdruck, bleiben also nur noch 1000l, da jeder Atemzug ja mit 2bar eingeatmet wird. Bei 4bar auf 30m sind es dann also dementsprechend viel weniger…)
  • Kein direkter Zugang zur Wasseroberfläche (ziemlich selbsterklärend. Im Wrack kann man bei Notfällen oder Panik nicht einfach auftauchen, muss Probleme also anders lösen. Dieser psychischer Faktor wird von vielen unterschätzt)

Tag 3 / dritter Wracktauchgang

Nun ging es fast zur Sache. Diesesmal war die Aufgabe am Wrack entlang zu tauchen und das Anbringen wie wieder Aufwickeln der Tauchleine zu üben. Diese Leine befestigt man dann beim eigentlichen Penetrationstauchgang außen sowie zur Sicherheit ein zweites Mal kurz nach dem Eindringen in den Innenraum am Wrack und rollt sie stetig beim Vorantauchen von einer Rolle ab, damit man im Fall eines Orientierungsverlusts auf jeden Fall den Weg zurück und raus aus dem Wrack findet.

Besonders gefährlich sind hierbei folgende drei Notfälle:

  • Reißen der Leine – klar, bei loser Leine kann man ihr so weit folgen, wie man will, man findet nicht raus. Deswegen der zweite Ankerpunkt kurz nach dem Start.
  • Entanglement – Verheddern. Zwar soll man sie Leine nahe am Boden spannen, damit das eben nicht passiert, jedoch lässt sich ein Umtauchen der Leine nicht verhindern, wenn man zB. ein Deck nach unten taucht und die Leine quer durchs „Treppenhaus“ gespannt ist. Perfekte Buoyancy und Korkenzieherpiruetten sind die Lösung.
  • Silt Out. Durch mangelnde/fehlende Strömung im Wrack setzen sich feine Partikel auf allen Oberflächen ab. Ein falscher Flossenschlag oder selbst die Blasen des Regulators beim Ausatmen können diese Partikel aufwirbeln und die Sicht im Wrack bis auf weniger Zentimeter reduzieren – gut, wenn man eine Leine gespannt hat. Rebreather und modifizierte Finkicks helfen.

Bei dieser Übung hat man auch schnell ein Gefühl dafür bekommen, wie lange das Aufwickeln der Leine dauert. Umkehren nach halber Zeit ist da schon spannendsportlich. Doch dazu mehr im Tag 4!


Tag 4 / vierter Wracktauchgang

Jetzt war es endlich so weit! Die Penetration des Wracks stand an. Unser Schiff der Wahl war die Sea Tiger. Nach Umtauchen und Mapping war ich mehr als bereit dafür. Doch erst mussten wir Sicherheitsvorkehrungen treffen:

  • Longsuit und ggf. Ellenbogen- wie Knieschoner als auch Handschuhe.
  • Aktueller Tetanusschutz
  • Funktionierende Taschenlampe mit Backup
  • Tauchleine mit Backup
  • Extra Tank mit eigenem Regulator auf 10m ins Wasser hängend
  • Ggf. Ponyflasche
  • Wiederholen der Handzeichen für eindeutige Kommunikation unter Wasser

Kurz vor dem Start wurden nochmal die vier Regeln von PADI wiederholt:

  1. 40m/100ft Rule: horizontale UND vertikale Tauchreichweite maximal 40m. Liegt das Wrack auf 30m sollte man also maximal 10m eindringen
  2. Zone of light: Tageslicht sollte immer – entweder hinter oder vor einem – zu sehen sein. Ein Abtauchen in komplette Abhängigkeit von der Taschenlampe wird nicht empfohlen.
  3. 1/3 of Air: nicht wie üblich bei half tank, sondern beim ersten Drittel der Flasche wird der Rückweg eingeleitet. So hat man auf jeden Fall genug Luft, wieder rauszukommen, auch bei Orientierungsproblemen, Notfällen o.ä.
  4. Space: laut PADI und auch wegen des kurzen Oktopusschlauches (der zweiten Luftquelle, falls man den Tank mit seinem Buddy teilen muss) sollten die betauchten Räume Platz für zwei Taucher neben- oder übereinander haben.

Doch dann ging es runter! Wie ein Stein fiel ich auf grobe 30m. Nach einem kurzen Swimthrough ging es durch eine reguläre Tür ins Wrack.

Innen war es sehr spannend sich mit dem Licht umzusehen! Leider hatte sich kein Hai zum Schlafen eingenistet…

Durch einen Treppenabgang ging es dann auf grobe 33m. Hier folgten wir einem Korridor wieder aus dem Wrack heraus. Jetzt konnten wir umdrehen und der Leine zurück folgen.

Die Sicht war nun deutlich schlechter – glücklicherweise kein totaler Siltout.

Bei Schlüsselstellen musste man auch immer mal nach hinten schaun, obs dem Buddy auch gelingt:

Der Aufgang durch die Treppe war nochmal spannend.

Und dann wars auch schon vorbei – ca. 18min Penetration vergingen wie im Nix!

Was ein fetter Tauchgang! Selten so viel Spaß gehabt!


Nach all diesem Fachgesimpel und für den Nichttaucher vermutlich nicht so spannenden Bildern will ich die übrigen Eindrücke von außen keinesfalls zurückhalten:

Doch auch die flachen Rifftauchgänge hatten ihren Reiz, wobei ich neben diesen vielen Schildkrötenshots…

…den wohl bisher besten landen konnte:

Zum Abschluss gab es dann im Divecenter unmittelbar die vorläufige Zertifizierung, sowie ein Bier mit Jared, meinem Instructor und den anderen Mitarbeiterinnen Devin, Lilli und Kiley.

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