Das übrige Leben auf der Nai’a

Vom Tauchen habe ich ja im vorherigen Beitrag schon einiges erzählt, aber auch versprochen, dass es weitere zu berichtende Erlebnisse gab.

Dieses Versprechen möchte ich hiermit einlösen 😉

Wenn es also mal keinen Five Dive Day gab, dann meist wegen einer anderen Aktivität. Diese waren unter anderen:

1. Scuba School

Hin und wieder hat Vanessa, eine der Cruise Directors, uns mit beispielhaften Unterwasseraufnahmen und einer selten so gesehenen Begeisterung und Didaktik in 30-minütigen Kurzvorträgen die Unterwasserwelt näher gebracht. Auf diese Weise erfuhren wir u.a. davon, das Korallen Tiere sind, die sich im Calciumgerüst verschanzen, dass dieses eigentlich weiß ist und erst durch die Smybiose mit einer Alge zur farbenfrohen Unterwasserwelt wird, dass weiche und harte Korallen nicht immer augenscheinlich zu unterscheiden sind, man aber durchs Zählen der Tentakeln auf Nummer sicher gehen kann, dass harte Korallen nur an Stellen mit direktem Sonnenlicht wachsen können, dass weiche Korallen sich zur Nährstoffaufnahme in der Strömung bis aufs fünffache aufblasen, dass Quallen streng genommen auch Plankton sind, dass Nudi Branches bigeschlechtlich sind und ihr Befruchtungsorgan an der rechten Körperseite ausgebildet ist, dass eine bestimmte Krabbenart blind ist und nur durch die Verbindung via Fühler zu einem Gobifisch „Augen“ hat, dass Haie durch Sharkfinning oder Kosmetikaüberfischung eine bedrohte Tierart sind und nicht nur China, sondern auch Spanien und die USA unter den Top-ausrottern gelistet werden oder dass eine Schmuckkette aus Blackcoral vergleichbar mit einem Pelzmantel oder Elfenbein ist: Kauf einer bedrohten Tierart. Man merkt also: diese Lehreinheiten haben einem unter und über Wasser für viele neue Dinge die Augen geöffnet!

Credits: Nai’a

2. Bootstransfers

Manch andere Stunden hingegen wurden aufgewendet, um die Nai’a selbst von A nach B zu fahren. Normalerweise geschah das nachts, damit man tagsüber eben tauchen konnte, allerdings war das halt nicht immer möglich.

Auf diesen Tagfahrten also kam man dann mit den anderen Passagieren unweigerlich ins Gespräch und stellte schnell fest, dass „nur alte Leute“ nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss. So hörte man Jims – Exairforcepilot – spannenden Geschichten zu, fachsimpelte mit Georgia über Bearbeitungstechniken in Lightroom, feierte Joanns 1000sten Tauchgang, witzelte mit Don über seine Zackenneoprenmütze, suchte mal wieder Gordy und fand ihn im Wheelhouse das Schiff steuern lernen oder ließ die Abende deutlich länger werden, indem man mit Mark, Roz und Claudia bei etlichen Bieren Monopoly Deal spielte – ein hitziges Kartenspiel mit endlosen „so wendet sich das Blatt“ Momenten! Manchmal war aber auch einfach Lektüre bzw. Naptime angesagt.

3. Besuch des Dorfes Somosomo

Ein Nachmittag war mit einem besonderen Programmpunkt gespickt: es war geplant, ein kleines 100 Seelen Dorf auf einer „verlassenen“ Insel zu besuchen: das Dorf Somosomo. Schon bei Ankunft wartete der Spokesman Frank am Strand auf uns und begrüßte uns mit mehrfachen inbrünstigen Bulas!

Nach einer kurzen Führung durch das auf magische Weise vom Tsunami vor einigen Jahren unversehrte Dorf zeigten sich auch zunehmend die anfangs noch schüchternen Kinder und alberten deutlich herum.

Doch der Höhepunkt des Besuchs war die Willkommens bzw. Cava Zeremonie in der Dorfhalle: als Sohn eines Chiefs überreichte Big Mo unsere Gastgeschenke. Im Gegenzug überreichte der Chief Somosomos seinen Cava und nahm uns alle so symbolisch in die Dorfgemeinschaft auf.

Cava ist ein das typische Getränk aus Fiji. Gebraut bzw. hergestellt aus gepresster Cavawurzel und Wasser wird es fast bei allen traditionellen Anlässen getrunken. Ohne Alkohol hat es auf uns Europäer keine berauschende Wirkung, wenngleich die Fijianer bei zunehmenden Genuss des erdig schmeckenden Getränks immer lustiger werden.

Abgerundet wurde diese Zeremonie durch Gesänge und Tänze erst der Frauen, dann der Männer.

Zum Abschluss wurde Cava in rauhen Mengen ausgeschenkt. Ein lautes Klatschen fordert eine Kokosnussschale Cava an, mit den Angaben „low tide“, „high tide“ oder „tsunami“ legte man zudem die Menge fest. Ein dreimaliges Klatschen nach dem Exen des Getränks kundet Dank.

Zum Sonnenuntergang dann verließen wir das Dorf wieder und fuhren zurück zur Nai’a. Doch was ist hängen geblieben? Vor allem eines: die Bewohner waren so gastfreundlich und warm willkommen heißend, dass man sich fast vorkam, als wäre man in einer anderen Welt. Jeder war interessiert, neugierig, hilfsbereit und und und. Ein Traum einer Gesellschaft.

4. Das Essen

Essen nahm an Board ebenfall viel Zeit ein. Doch was uns hier geboten wurde, war einfach traumhaft: jeden Tag lag eine Liste aus, auf der die verschiedenen Gerichte zu den einzelnen Mahlzeiten zur Auswahl standen. Hier gab es immer eine vegetarische und ein oder zwei Varianten mit Fleisch – Fisch, Rind, Hühnchen oder Schwein. Zudem konnte man jeden Extrawunsch angeben – alle wurden kommentarlos umgesetzt. Auf diese Weise gab es für mich beispielsweise bei jedem Frühstück Bacon oder nach dem Abendessen zwei Desserts. Das Abendessen war eh das Highlight des Tages, da dieses immer aus drei Gängen bestand und bei gratis Wein oder Bier umso leckerer war. Kleine Details wie täglich wechselnde Tischdeckenfarben oder Variationen des Serviettenfaltens rundeten diese Speisen zusätzlich ab.

Man fühlte sich wie in einem hochklassigen Hotelrestaurant. Aber mit Fiji Flair. Denn wenn zum Dessert die gesamte Crew mit Gitarre, Ukulele und Gesang den Saloon stürmt, weil Claudia und Jim ihre Geburtstage an Board feierten, kam man gedanklich wieder im Südseeparadies an 😉

5. Cava Party

Eines Abends war dann die offizielle Cava Party des Schiffs angesetzt. Auch hier saß man klassisch auf dem mit Palmenblattmatten ausgelegten Boden im Kreis. Im Mittelpunkt stand diesesmal Big Mo, der mit Gitarre und der Crew immer zwei fijian songs zum Besten gab und dann Cava verteilen ließ.

Im Laufe des Abends kamen dann immer mehr westliche Songs dazu, sodass mir dieser Abend als entspannte Lagerfeuerrunde im Gedächtnis blieb. Nur ohne Feuer und auf dem offenen Meer. Unter der Milchstraße. Mit einer Kokosnussschale in der einen und Rum-Cola in der anderen Hand. Awesome!

Zusammenfassend kann mal also sagen, dass Adrian und ich auf der Nai’a eine absolut traumhafte Zeit hatten. Man kann die ganzen Momente und Erinnerungen gar nicht alle ordnen geschweige denn in Worte fassen. Aber eines lässt sich sagen:

Nai’a, wir kommen wieder!

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