Kepler Track

Da nach der Tagestour zu den Doubtful Sounds glücklicherweise ein Hüttenplatz in der Iris Burn Hut des Kepler Tracks frei geworden war, diese Tour uns aber wieder zurück nach Queenstown brachte, musste ich ja irgendwie wieder Richtung Te Anau kommen. Zur Auswahl standen hier zwei Optionen:

  • schon zeitig am Vorabend Queenstown wieder zu verlassen und in oder in der Nähe vom DOC Center Te Anau zu campieren oder
  • eben den dann vorerst letzten Abend mit Lisa und Louis noch in Queenstown zu befeiern und dann mit etwas weniger Schlaf die gut zwei Stunden Fahrt am eigentlichen Tag des Tracks selbst auf sich zu nehmen.

Klar, ich entschied mich aus Gründen des angemessenen Abschieds von L-Quadrat für die letztere Option. Das hieß dann aber auch, dass um halb 6 Uhr das Bett fluchtartig verlassen werden musste, damit ich pünktlich zu den Öffnungszeiten des DOC Centers in Te Anau ankomme.

Warum? Da man offiziell vor einem Great Walk, wie der Kepler Track einer ist, im Department of Conservation Visitors Center „einchecken“ muss. Dazu bekommt man die letzten Wetter und Gepäckinfos sowie eine etwas überflüssige Trackbroschüre.

Aber was sind den jetzt eigentlich diese Great Walks? In einem Wanderparadis wie Neuseeland haben es neun Mehrtageswanderungen geschafft, als besonders schön zu gelten. Diese wurden nach und nach zu Great Walks erklärt, was mehr Popularität und Interesse seitens der Touris als auch mehr Streckenwartung und bessere Hütten entland des Weges mit sich brachte. Letztere bitten besonders in der Great Walk Season für Ausländer bis zu 140$ pro Nacht zur Kasse, sind buchungspflichtig und meist Wochen, im Falle des Milford Tracks die nächsten 1.5 Jahre im voraus ausgebucht. Auch der Kepler Track wird immer beliebter, sodass mein spontaner Hüttenplatz ein Glücksgriff war!

Ok, also nun zum eigentlichen Wandergeschehen: zur Vorbereitung habe ich mit im Kathmandu Sale noch ein paar Markenprodukte zu unverschämt günstigen Preisen geholt, u.a. Titanbesteck und einen 3l Camelbak. Ebenso musste ich ja Essen für die nächsten Tage einpacken. Hier entschied ich mich für:

  • 6 Dosen mit Hühnchen/Thunfisch
  • 6 Äpfel
  • 6 Müsliriegel
  • Eine Packung Wraps
  • Edammer Schmelzkäsescheiben
  • Gefriergetrocknete Outdoorgerichte Chicken Tikka Masala in Reis und Marrokanisches Lamm auf Couscous

Das restliche Gepäck waren im Prinzip Klamotten für warme wie eiskalte Tage sowie von den wichtigsten Stücken eine Sicherheitskopie im Drybag, falls es extrem regnen sollte und ich trockene Klamotten bräuchte. Diese Eventualität war auch der Hauptgrund, warum ich mich für die fast dreifach so teure Hütte statt der Canpsite entschieden habe. Denn die Berichte der letzten Tage von anderen Reisenden, u.a. Maggy aus Frankreich, waren alles andere als optimistisch bzgl. des Wetters/des Regens. Wenn man dann also pitschnass ist, hat man wenigstens eine trockene, warme Schlafgelegenheit. (Außerdem meinten Fanny und Kim, dass die Sandfliegen auf der Iris Burn Campsite unerträglich sind)

Lost ging es letztendlich um 0920h von Kepler Car Park, warm eingepackt, hochmotiviert und vorbei an der Startbank:

Der Weg von hier war ein flacher Waldweg, der mit seiner Vegetation begeisterte:

Hier ist einem auch klar, warum Neuseeland den Farn als Logo verwendet:

Knappe 110 Minuten später war ich dann an der Rainbow Reach Swing Bridge angekommen:

Von hier ging es dann die ersten kleinen Steigungen nach oben mit schönen Aussichten auf den Iris Burn River:

Ebenso ergab sich ein kleiner Extraweg durch Sumpfland (entlang einer Holzbrücke) zu einem kleinen, aber feinen See:

80 Minuten später war dann die Moturau Hut in Sicht. Hier gönnte ich mir dann die erste Essenspause mit einem Apfel, Käsewrap sowie einder der o.g. Dosen bei Aussicht auf strandähnliche Szenerien:

Nur konnte ich, zumindest dachte ich das, hier nicht allzulange entspannen, da laut Broschüre noch 6h Walk zur Iris Burn Hut vor mir lagen. Den auf halber Strecke liegenden Rocky Point Shelter erreichte ich nach 100 Minuten, sichtlich demotiviert von der bislang wenig belohnenden Wanderung:

Die dort eingenommene zweite Ration Essen gab mir die nötige Energie, sodass ich Nach weiteren 120 Minuten Marsch war es dann soweit: Iris Burn in sight! Kurz nach riesigen Bäumen (ok klingt irgendwie langweilig, aber seht selbst)…

…und einer Ebene, die von einem riesigen Erdrutsch, dem Big Slip erschaffen wurde…

…tauchte mein Tagesziel in einer Lichtung auf. Die szenisch gelegende Hütte war für mich nach mittlerweile 8 Stunden Wanderung (inkl. Pausen, vorausgesagt waren 9-11.5h) und guten 30 Kilometern Wegstrecke wie der Himmel auf Erden.

Trotzdem musste ich noch zu dem eine halbe Stunde entfernten Wasserfall laufen 😉

Im Anschluss gabs gleich beide Outdoormeals sowie einen weiteren, den also dritten, Satz Futter für mich, bevor ich nach wirklich wenigen Worten Smalltalk im 20 Bunk Bed Dorm trotz 4 (!) Schnarchern wie ein Baby schlief.

Wie ein zu gutes Baby – denn irgendwie kam ich später aus den Federn, als gedacht. Nach einem Müsliriegel, Apfel und Morgentalk mit Hüttengästen lief ich um kurz nach 8 Uhr morgens von der Hütte los. In weiser Voraussicht relativ leicht bekleidet, da der steilste Aufstieg der gesamten Tour vor mir lag, und das für grobe 90 Minuten. Denn dann erreichte ich, bei mittlerweile leicht bewölkter Situation, den ersten Aussichtspunkt:

Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 50km/h und keiner direkten Sonneneinstrahlung wurde sogar mir recht bald recht frisch – meine Temperaturkomfortzone war unterschritten. Doch die nächsten 130 Minuten habe ichs noch ausgehalten, bis ich dann den ersten Emergency Shelter Hanging Valley erreichte. Dorthin ging es über bereits eindrückliche Gratwanderungen – mit einem fetten Rucksack und plötzlichen Seitenwindböhen nicht immer ganz so einfach.

Im Shelter suchte quasi jeder Wanderer dieses Morgens Schutz und Wärme sowie ein kleines Frühstück. In meinem Fall also Ration Nummer 4. Immer wieder ein Energieschub! Denn nach kurzen 60 Minuten war schon der Forest Burn Shelter erreicht:

Von hier an ging dann der richtig schöne Part des Tracks los: Entlang der Grate, an Lawinenhängen vorbei und stets von neuen Aussichten überrascht:

Die genaue Zeitrechnung habe ich dann wegen des Highlights – der Besteigung des Mt. Luxmore Summits auf 1472m – etwas aus den Augen verloren. Hier hoch führte der „Weg“ über Geröll wie Stein vorbei an den heftigsten Windböhen der gesamten Strecke – doch der Aufstieg hat sich gelohnt:

Hier traf ich auch zum ersten mal aus nächster Nähe auf Keas.

Keas sind die einzigen alpinen Papageien der Welt. Sie gelten als extrem schlau und haben, seit Touristen sie angefüttert haben, den Drang, alles von Menschen abgelegte oder getragene zu zerstören, zu stehlen oder zu öffnen. Fanny berichtete mir von dreisten Avocadodieben, auf Hütten hängen Warnschilder, seine Socken und Schuhe nicht lose in der Sonne trocknen zu lassen und dieses Bild ist Sekunden vor einer solchen Schuhattacke entstanden:

Dennoch sind diese Vögel einfach prachtvoll:

Auch wenn sie mich beim 360 Grad Selfie ebenfalls attackierten 😉

Nach diesem foto- wie zeitintensiven Abschnitt ging es mehr oder weniger zügig zur Luxmore Hut – seit dem Shelter sind bis hier 135 Minuten vergangen.

Ration Nummer 5, etwas Sonne tanken und den 40 Minuten Extrawalk zu den Luxmore Caves gegönnt:

Von nun an stand der nervigste Abschnitt des Tracks auf dem Plan: eine schier end- und dabei highlightlose Wanderung zurück zum Carpark. Meine bisher angewandte Technik, jede glaufene Stunde mittles Handyalarm eine kurze Verschnaufpause einzulegen, ging her nicht mehr auf, da ich aus langeweile tatsächlich alle 5 Minuten auf die Uhr geschaut habe… die Motivation war dahin:

Rückwege sind einfach nicht meins, hat ja Mackenzie Lake schon gezeigt.

Nach diesen folterartigen 135 Minuten erreichte ich den Brod Bay Campingplatz auf dem ich wegen der Samdfliegen Ration Nummer 6 inhalieren musste, ehe nach weiteren 65 Minuten der lang ersehnte Kepler Car Park erreicht war. Die heutigen 11h Marsch standen mir ins Gesicht geschrieben, ebenso die letzten 34h und über 60km:

Die Startbank hingegen war unverändert:

Was bleibt also am Ende zu sagen? Meiner pers. Meinung nach ist der Kepler Track definitiv ein Great Walk, allerdings finde ich, wird er ein bisschen zu sehr gehyped. Die Highlights spielen sich zw. dem ersten von mir erklommenen Lookout und der Luxmore Hut ab. Doch um dort hinzugelangen, muss man einiges an meiner Einschätzung nach eher langweiliger und langwieriger Wegstrecke auf sich nehmen. Oben angekommen läuft man dann gute 6h in der Topzone, in der Hoffnung, schönes Wetter abzubekommen etc.pp. Also eher kein gutes Wanderaufwand-Belohnungs Verhältnis, insbesondere bei den Hütten- und Campsitepreisen und vor dem Hintergrund des Avalance Peaks oder des Routeburn Tracks sowie des Sealy Tarns Aufstiegs.

War aber trotzdem geil!

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