Great Barrier Reef Liveaboard

Das sich über eine Fläche von guten 350.000 Quadratkilometern erstreckende Great Barrier Reef liegt vor der Ostküste Australiens und zählt zu den Weltnaturerben. Dort unter Wasser zu gehen steht wohl bei jedem Taucher auf der Bucket List.

Sich diesen Traum zu erfüllen habe ich mir möglich gemacht!

Startpunkte gibt es viele, von denen aber Cairns und Port Douglas wohl zu den bekanntesten gehören. Die Auswahl an möglichen Tauchbooten/Trips ist immens, sodass man sich am besten auf Empfehlungen anderer Taucher verlässt. Wichtig hier ist vor allem, dass die Boote eher ins Outer Reef fahren bzw. zu speziell geschützen Riffen – da der Tourismus und die Globale Erwärmung leider große Teile des Riffs zerstört haben. Hier gibt es für bestimmte Riffe sogar Auflagen, wieviele Personen hier täglich maximal tauchen/schnorcheln dürfen! Ebenso spiegelt der Preis für eine einzelne Boje zum Anlegen und als Leitstruktur zum Abtauchen diese Intention, das Riff zu schützen, wieder: über 10.000.000$ Gebühr werden hier fällig 😉

Natürlich kann man auch mit einem lokalen Fischer oder Bootsbesitzer einfach mal rausfahren und – mit dann eigener Ausrüstung – wild drauf los tauchen. Ich habe mich aber trotzdem für ein bezahlten Trip auf einem sog. Liveaboard Boot entschieden:

3 Tage und 2 Nächte auf der Ocean Quest von Divers Den.

Los ging es am frühen Morgen per Shuttle zur Sea Quest. Zwei Tauchgänge von dort ehe sie mich zur dauerhaft im Riff liegenden Ocean Quest tranferiert hat. An Board herrschte im Innenbereich absolute Dry Zone – also waren keine nassen Badesachen oder gar Wetsuits erlaubt. Mein Zimmer teilte ich mir mit Simon aus Deutschland, frischer Abiturient auf Work and Holiday Reise.

Diese Dry Zone war aber auch die einzige strenge Regel, denn das restliche Leben dort war mehr als lässig – dazu trug nicht zuletzt die ansprechende Einrichtung des Bootes bei.

Entlang eines gut geplanten Stundenplans ging es durch den Tag, von Morgentauchgängen über das Frühstück über 2 Vormittagstauchgängen hin zum Mittagessen und weiter über eine längere Pause zum Entspannen bis man dann den Nachmittagstauchgang vor und den Nachttauchgang nach dem Abendessen in Angriff nahm.

Tauchgänge waren nie verpflichtend, man konnte auch stattdessen schnorcheln oder auf dem Sonnendeck schlafen, allerdings hat man ja dafür bezahlt, was? Ich hab also alle Tauchgänge mitgenommen – insgesamt 12 an der Zahl 😉

Neu für mich war hier, dass das Briefing der Dive Site sehr ausführlich war, da man hier in der Regel ohne Instructor ins Wasser springt und mit einem Buddy oder Team eigenhändig navigiert – anhand der besonderen Strukturen Unterwasser, der Turns, die man einschlägt und vor allem der Sonne. Fühlte man sich zu unsicher, konnte man aber natürlich einen Guide anfordern. Für 15$. Pro Tauchgang. Pro Person. Also versuchte ich mein Glück mit natural navigation 😉 auf diese Weise tauchte man viel bewusster und nahm die Korallen, Felsen usw. viel genauer wahr als es bei einem stupiden Folgen des Instructors der Fall wäre. Genial!

Mein Buddy für die meiste Zeit war Olivier aus Frankreich mit guten 450 Tauchgängen, allerdings wechselten wir am dritten Tag aufgrund seiner Abreise durch, sodass Gregor aus Österreich, Matt aus Florida (über 700 Tauchgänge) oder Brandon mit Ehefrau aus den USA meine Buddys waren. An Board waren auch mitfünfziger Deutsche mit über 1000 Tauchgängen! Meine größte Verantwortung habe ich allerdings als Navigator für Michael aus Polen als meinen Buddy übernommen, der mit blutigen 6 Tauchgängen vor 5 Jahren ohne Guide eher aufgeschmissen war 😉 leider fällt mir jetzt erst auf, dass ich verpasst habe, Selfies mit meinen Leuten zu schießen, da das Handy und die Kamera egtl. immer im Zimmer waren und man keine Langeweile verspürte, am Handy zu spielen… vielleicht krieg ich ja das eine oder andere Bild der GoPros meiner Buddys.

Nach solchen Tauchgängen, vor allem in einer solchen Taktung war man natürlich geschafft. Da kamen die von Bootskoch Mario zubereiteten Speisen gerade recht. Immer sehr lecker und immer mehr als genug. So muss das sein!

Abends in der Bar reflektierte man dann über die aufregenden Sichtungen bei einem oder mehreren Deko-Bieren (Deko nicht für Dekoration sondern für Dekompression als Joke über den Tauchnotfall der Dekompressionskrankeit). Auch hier wurde zu Karaoke geladen, allerdings hatten dafür gefühlt nur noch die Crewmitglieder Energie… denn um 0530h am nächsten Morgen hieß es schon wieder: Aufstehen! Morningbriefing!

Soviel also zum Rahmenprogramm, doch wie war nun das Tauchen? Das ist natürlich schwer in Worte zu fassen und eine GoPro/Unterwasserkammera hab ich ja nicht. Aber eines sei gesagt:

It isnt called great for nothing.

Und genau so ists auch. Einfach genial dort zu Tauchen. V.a. die Divesite Troppos im Saxon Reef war genial. Aber auch Twin Peaks oder Coral Garden müssen sich nicht verstecken. Einprägend sind hier vor allem einzelne Erlebnisse:

  • Wenn man zB. Plötzlich von einem White Tip Riffhai überrascht wird, da dieser unter einem geschwind durchschwimmt.
  • Wenn man nichtsahend einen Cuddle Fish spotted, da dieser gerade eben seine Camouflage änderte.
  • Wenn man beim Nachtauchgang alle Lampen ausschaltet und das Schweben im dunklen Nichts genießt.
  • Wenn man große Schwärme von Barrakudas oder anderen Fischen über sich sieht und dabei die Sonnenstrahlen durchbrechen.
  • Wenn man beim Nachttauchgang aus Versehen mit seiner Lampe die Aufmerksamkeit eines jagenden Predators auf einen Zierfisch lenkt und dieser dann verspeist wird…
  • Wenn man den Tauchgang durch Unterquerungen von Korallenüberhängen oder Durchquerungen kleiner Höhlen aufpeppt.
  • Wenn man sich dann doch verirrt hat und ein PickUp Boot anfordern muss.
  • Wenn man aufhört, sich Gedanken über die Luft zu machen, da man die 50min Tauchgang eigentlich immer erreicht.
  • Wenn man beim Blick ins tiefe Blau des rifffernen Oceans Silhouetten von Haien oder Mantas erkennt.
  • Wenn man Meeresschildkröten beim Essen zusieht.
  • Wenn man von einem Triggerfisch atrackiert wird.
  • Wenn man bei einem Team von 5 drei Taucher „verliert“ und einfach zu zweit weiter macht.
  • Wenn man – ach, Tauchen ist wie der Rettungsdienst, jeder hat ca. 100 abenteuerliche Geschichten auf Lager, mal mehr, mal weniger wahr 😉 ich kann aber sagen, dass die Zeit auf der Ocean Quest einfach super war, da einfach alles gepasst hat!!!

Leider ging auch diese Zeit, in der man sich um nichts kümmern musste und die Leute erneut „disposable friends“ wurden, viel zu schnell zu Ende, sodass es am Tag der Abreise gleich mehrmals wehmütige Verabschiedungen gab.

In diesem Sinne, Good Bye GBR! It was a pleasure!

Achja, ehe ichs vergesse: eines Tages gab es plötzlich einen Alarm und jeder musste sich mittels Schwimmweste für die Evakuierung vorbereiten – natürlich nur zur Übung und Training der Crew. Das ganze war auch vorangekündigt, dennoch hatte man beim kühlen Corona im Clubsessel dann so gar keine Lust darauf ;(

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