Die lange Fahrt nach Cairns

Ab Tag 16 hieß es verheißungsvoll Kilometer für Kilometer: Denn von Uluru über Alice Springs, Tennant Creek und den Highway 66, entlang der Outlander Route, über den Matilda Way sowie den Savannah Way ist es ein ganz schönes Stück nach Cairns: über 2500km!

Leider mussten wir nun ein paar Rückschläge einstecken: nachdem wir von Uluru die knappen 450km nach Alice gefahren sind, die wichtigsten Besorgungen wie neue FlipFlops, Essen für eine Woche sowie Sprit erledigt waren, wollten wir egtl. die Nighttour im Desert Park machen – wegen Regenforecast abgesagt. Deswegen sind wir dann auch wieder auf unseren alten Campingplatz einige KM nördlich von Alice gefahren. Dh. Tagestouren im Desert Park auch drauf geschissen. Und ja, die Regenvorhersage war nicht falsch. Ganz im Gegenteil: Abends haben uns ab ca. 21 Uhr bis bestimmt 4 Uhr ununterbrochen heftige Regenfälle, Sturmböhen sowie Blitzgewitter heimgesucht. Im Armytent nicht die entspannteste Nacht, aber dennoch eine Erfahrung wert. Immerhin gab es keine Überschwemmungen oder Verwehungen und ist das Zelt einigermaßen dicht geblieben 😉

Dort trafen wir auch eine deutsche Familie, die mir ehrlich gesagt sehr sympathisch war sowie Eindruck mit ihrem Lebensstil gemacht haben: Beide Apotheker/Chemiker mit zwei Kindern, Sophie 9 und Eric 5, haben mehrere Jahre deutlich Geld gespart, allen Besitz in Deutschland verkauft, um dann für ca. 4 Jahre mit ihren Kindern durch die Welt zu reisen. Die beiden Racker haben so schon Australien, Ozeanien, Süd und Nordamerika gesehen und werden Anfang 2019 durch Südostasien travellen. Nebenher erhält zumindest Sophie von ihrer Mutter Deutsch und Matheunterricht – orientiert an den Schulbüchern von daheim. Heimat- und Sachkunde wird am jeweiligen Land festgemacht. Euröpaische Bäume kennen die beiden Kinder also eher weniger, dafür wissen sie über Vulkane, Erruption, Tropen, Wüsten, Ebbe, Flut etc. pp. „Bescheid“. Ganz nebenbei können beide auch schon das Nötigste auf Englisch sagen, das Verstehen ist ihnen sogar fast immer möglich. Die einzigen Bedenken der Eltern: dass sich v.a. Eric an diese wirklich einzigartige und besondere Kindheit nicht erinnert. Aber was gibt es schöneres, als die Welt mit seinen Liebsten zu bereisen und dabei die Kinder aufwachsen zu sehen? Mal eine andere Travel-Geschichte 😉

Am nächsten Tag ging es gute 5h Fahrt nach Tennant Creek zurück, pünktlich, um die letzte Tour in Battery Hill Mining Museum um 3pm abzugreifen, nur um dann zu erfahren, dass es wegen überschwemmten Minentunneln vorerst keine Touren mehr gibt… Na toll. Dennoch gab es kleine Details vom hiesigen Mitarbeiter:

In Tennant wurde die Gold in Tellern gewaschen, sondern fast ausschießlich aus Minen gefördert. Auch hier eher eine Ausnahme: Gold wurde nicht aus Quarz, sondern aus Eisenstein gelöst. Verwendet wurde aber dennoch Cyanid oder Quecksilber. Für mehr Chemie bitte den Fidi fragen.

Die so gewonnene Zeit verbrachten wir, nach Auffüllen des Tankes, dann zusätzliche 100km auf der Straße, um am Free Camp Spot 41 Mile Bore am Highway 66 das Nachtlager aufzuschlagen. Sonnenuntergangsromantik inklusive:

Die weitere Fahrt in den Osten hielt leider den nächsten Rückschlag bereit: kurz nach der Grenze zu Queensland informierten wir uns bei Locals der 320 Seelen Stadt Camooweal über die Straßen zum Lawn Hill Nationalpark. Dieser soll nämlich die Perle Queenslands sein und wurde von vielen Travellern empfohlen. Leider sind diese o.g. Straßen selbst in der Trockenzeit nicht ohne, allerdings jetzt durch die jüngsten Regenfälle wohl ganz und gar nicht sicher zu passieren… haben ein Pärchen getroffen, das seit einer Woche darauf wartet, dass ihr feststeckendes Auto herausgezogen wird. Außerdem hat die Strecke wohl regelhaft 2 Rivercrossings auf Lager. Problem? Leider hat Chris Allrad weder Schnorchel (für eine höhere Luftansaugung des Motors) – somit sind wir auf eine maximale Wassertiefe von 80cm angewiesen – noch haben die Frontradaufhängugnen intakten Wasserschutz, sodass jede Wasserquerung mit Treibgut in Form von Kies(elstein(chen)) das Vorankommen in wenigen Sekunden unwiederbringlich beendet. Und wo findet man solche Steinchen? Richtig. Auf einer unsealed Gravelroad – genau so einer, die zum Park führen soll… Risiko zu hoch, also Planänderung.

Haben halt bisserl Pech mit dem Tief, dass von Adelaide hochdrückt.

Dafür gabs endlich mal die berühmten Roadtrains im Stillstand zu sehen. Denn bisher haben wir diese Sattelschlepper mit bis zu 4 Anhängern und über 50m Länge nur vorbeifahren bzw. -brettern sehen. Doch beim jüngsten Tankstopp machten einige dieser 600PS Maschinen ebenfalls Rast. Sehr eindrücklich, aber irgendwie müssen Güter ja von den Häfen ins Inland gelangen, denn Luftfracht scheint wohl zu teuer… doch ganz so einfach darf man diese Teile nicht fahren. Man benötigt wie in Deutschland einen Heavy Vehicle Führerschein, fängt klein an (7.5t) und arbeitet sich dann langsam hoch: erst ein, dann zwei, dann drei und im Northern Territory – wie gesagt – sogar vier Anhänger. Bei maximal 12h Lenkzeit pro Tag und wesentlich entspannteren Lieferzeiten als die der Fernfahrer in Europa ist das gar nicht mal so ein über Job. Hier ein paar Eindrücke:

Nach einer weiteren Nacht ging es über Mt. Isa, Mary Kathleen, Cloncurry und Burke & Wills Richtung Normanton. Leider haben wir es nicht ganz bist dorthin geschafft, sodass wir unser Lager grobe 60km südlich am Flinders River aufschlugen. Die Fahrt dorthin war nämlich ziemlich anstrengend, denn gerade zur Dämmerung kamen endlose Kängurus und Wallabies hervor, kühlten sich in den dank der tief stehenden Sonne langen Schatten der Bäume beidseits der Straße und sprangen hin und wieder unvermittelt über dieselbe. Das heißt: höchste Konzentration mit Aufmerksamkeit auf Schlaglöcher, Hüpftiere und Flugtiere. Dafür belohnten wir uns mit einem kühlen Bier am ersten Lagerfeuer unserer Reise, und das irgendwie im Nirgendwo 😉

Am Abend des 20ten Roadtriptages nach weiteren groben 500km ereignislosr Fahrt (und des 5ten der Reise von Uluru nach Cairns) schlugen wir unser Lager am Mt. Surprise auf. Für 12$ pP. gabs dann warme Duschen, Pool, Küche – also ein wenig Luxus nach den vergangenen Wildcamptagen 😉 bei 40 Grad im Schatten war der Pool eine willkommene Abkühlung, ebenso das kühle Bier beim Zwischenstop in Croydon.

Achja: bei 40 Grad kann es passieren, dass Zapfsäulen nicht mehr pumpen und somit ausfallen. Uns in Georgetown passiert… also erstmal kein Benzin

Cairns selbst ist zwar immernoch gute 300km Fahrstrecke entfernt, allerdings werden wir auf dem Weg dorthin wohl einige Stops einlegen, da das Umland viel zu bieten hat. Also denke ich, wirds dazu einen gesonderten Sammelbeitrag geben 😉

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