Da Lat und Umland – ein Ausflug mit den Easy Ridern

Mit dem Overnightbus ging es nach Da Lat, ein Städtchen in den vietnamesischen Bergen auf ca. 1500m. Das merkte man auch gleich bei der Ankunft um 4 Uhr morgens: ziemlich frisch hier! Nachts noch durch des schrecklichen Wachhunds Bellen verjagt, hatte ich morgens den selbigen schon als Freund gewonnen:

Das Hostel war ansich nicht weit, für den Rest der Nacht durfte ich sogar kostenfrei einchecken, sodass es dann pünktlich um 8 Uhr morgens mit den bekannten Easy Ridern auf dem Motorrad durchs Umland ging!

Hier hatte ich schon von Saigon aus Kontakt mit einem bekannten Tourorganisator aufgenommen, den mir drei Israelis beim Abendessen ca. 2h vor Abfahrt des Nachtbusses empfohlen hatten.

Huan bietet eine Tour durch etliche kleinere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung incl. Bike, Sprit, Tickets, Lunch und englischsprachigen Erklärungen. Aber das beste wird wohl das Fahren an sich und die Landschaft sein. Das Wetter war auf jeden Fall ab Start der Tour überragend!

Erster Stop war einer der vielen Blumenplantagen – nicht umsonst nennt man Da Lat auch Flower City. Vietnam gehört zu den Topproduzenten für u.a. Gerbera. Die Bauern/Gärtner hier haben teilweise Kooperationen mit holländischen Firmen, sodass zB. ein Gewächshaus einekomplett neue Technologie war. Interessant zudem: die Gärtner müssen nur Miete für das Land bezahlen, aber keine Einkommenssteuer – deswegen ist das Gärtnerdasein sehr rentabel für die Bevölkerung, auch wenn eine einzelne Gerbera für gerade 1000 Dong verkauft wird.

Weiter ging es über schöne Serpentinen in der Motorbikekolonne zu Kaffeeplantagen. Vietnam gehört neben Brasilien und Kolumbien zu den Top 3 Kaffeexporteuren. Besonders edel: der Wiesel-Kacke-Kaffee. An den Plantagen gehaltene Wiesel essen die reifen Bohnen, verdauen sie und scheiden sie als Kacke-Bohnen-Klumpen wieder aus. Dieses Produkt soll wohl besonders edel schmecken – für mich als Nichtkaffeetrinker wäre eine Kostprobe mangels Geschmackserfahrung aber wohl herausgeschmissenes Geld – besonders bei den gesalzenen Preisen von 70.000 Dong für eine Tasse.

Als nächstes ging es in eine dunkle, stickige Fabrikhalle. Hier werden jeden Tag frische Reisnudeln produziert. Nachdem der gekochte Reis wieder getrocknet wurde, ist er einige Monate haltbar. Weicht man ihn nun über Nacht in Wasser auf, erhält man eine Art Reispampe, die durch eine Pastapresse getrieben zu den bekannten weißen Reisnudeln wird. Frisch sollte man sie innerhalb eines Tages verzehren, getrocknet sind sie mehrere Monate haltbar und brauchen nur 10 Minuten Kochzeit. Die geringe Haltbarkeit der Frischen ist auch der Grund dafür, dass die Nudeln jeden Tag frisch produziert und zu den Märkten gebracht werden.

In einer weiteren kleinen Kammer wurde dann aus der Reispampe Reisschnaps hergestellt. Reis, Wasser und Hefe – das ist alles. 15d im Fass gereift wird der Alkohol in drei Stufen ausgekocht: medizinischer Reisschnaps mit 70%, normaler mit 35% und leichter mit 10% – den Fünfunddreißigiger durften wir dann alle auch probieren – sehr lecker, obwohl er warm war.

Auf der weiteren Strecke haben wir noch eine Hochzeit entdeckt. Das Paar und die Gäste waren sehr freundlich, haben mir, trotz des Tourioutfits sogar einen Platz angeboten! Leider musste unsere Bikercrew weiter… allerdings ein sehr schönes Beispiel für die Gastfreundlichkeit der Vietnamesen!

Vorerst letzter Stop vor dem Mittagessen war dann der Elefant Wasserfall, bei dem der Fluss Nam Pan über 30 Meter in die Tiefe stürzt. Der Weg zum „Aussichtspunkt“ war sehr glitschig und teils wenig gesichert – da merkt man dann doch die deutsche Bergerfahrung gegenüber anderen Touristen 😉 das Sprühwasser des Wasserfalls war teilweise so stark, dass man meinte, im Regen zu stehen. Bei dem bislang perfekten Wetter mit Sonnenschein eine wilkommene Abkühlung!

Für mich und grob ein Drittel der Gruppe ging es dann zügig weiter – denn wir wollten die große Tour 😉 diesesmal fuhren wir eine große Strecke am Stück, durch strahlenden Sonnenschein, an Dörfern und Kaffeefeldern vorbei, bis wir schließlich, auch nach spannenden Straßenabschnitten, bei einem weiteren Wasserfall angelangt sind. Nur dieser war um einiges geiler! Schade dass ich zum einen meine Dronenfernsteuerung nicht dabei hatte und das Akkuladekabel daheim… dennoch: ein Ort der Bilder und Ruhe. Und des Sonnenbrandes.

Es folgten kurze Stops, um durch Büffelherden fahren zu können, um flache Reisfelder zu bewundern (V.a. Südvietnam ist dank dreifacher Ernte im Jahr durch tropisches Klima weltweit Nummer 2 Reisexporteur neben Thailand) und um einen kurzen Besuch in einer Seidenfabrik zu machen

Das war wirklich ein Erlebnis. Die Hitze, der Lärm, die Arbeitsbedingungen – wobei letzteres bei 10$ pro Tag, 8h Schichten und keinem Wochenende gar nicht so übel sind – für Vietnam. Der Kokon der Seidenraupe wird gewaschen – dadurch kann man das Ende des Seidenfadens einspannen und spinnen. Ein einzelner Kokon hat 700 bis 1000 Meter hauchdünnen Faden. Wirklich faszinierend!

Im Anschluss noch ein kurzer Abstecher zu einer Pilzfarm. Die Elefantenohrenpilze werden ganz einfach gezüchtet: Nährstoffe in einer Plastikflasche, warten bis der Pilz herauswächst, abschneiden, trocknen, wiederholen. Eine beliebte Zutat in Suppen hier. Der rote Pilz mit dem „Zimtstaub“ hingegen wird als Medizin gegen erhöhte Leberenzyme eingesetzt. Nutzen? Fraglich.

Zum Abschluss gab es dann eine ehrliche fast schon Hasstirade von einem der Fahrer über das politische System in Vietnam, das immer teurer werdende Leben dort und mangelnde soziale wie Bildungssicherheit. Der Rückweg erfogte dann im Regenponcho durch Wolkenbrüche.

Bei Nacht.

Auf überfüllten Straßen.

Auch nochmal ein Erlebnis für sich 😉 Alles in allem ein fetter Trip! Super englischsprachige Erklärungen durch Hiu und Hua, eine nice Truppe, eigenständiges Scooterfahren ohne navigieren zu müssen (oh man macht das Spaß – ich kann jede Motorradgang verstehen) und jede Menge Eindrücke.

Facts: Start am Hostel 0800h, Ende am Hostel 1900h, Fahrstrecke ca. 150km

Einfach fett.

Morgen erkunde ich dann noch ein wenig die City, bevor es pünktlich zum Wochenende nach Hoi An per Nachtbus geht!

PS: einen Tempel gab es auch zu sehen: