Cu Chi Tunnels

Echte Schüsse in der Ferne. Regenwald. Drückende Hitze. Das waren die ersten Eindrücke bei der Ankunft in Cu Chi.

Eine ebenfalls weitbekannte Geschichte ist der Guerilla Krieg der Vietcong, der nationalen Front für die Befreiung Südvietnams.

Hierzu bietet es sich an von Saigon ca. 1-2h in ein ehemaliges Vietconggebiet zu fahren.

Hauptaugenmerk liegt hier in der teilweise euphorisch positiven Darstellung des Freiheitskriegs der Südvietnamesen mitsamt aller ihrer Fallen, Taktiken und Tunnelnetzwerken.

Grob zusammenfassend kann man sagen, dass die Vietcong tagsüber in komplexen Tunnelsystemen hausten. Diese waren in drei Ebenen untergliedert, die erste wenige, die letzte bis zu 10 Meter unter der Erde. Die Eingänge waren zum einen rechteckig, um durch harte Kanten klaren Bezug zu den Himmelsrichtungen zu haben und zum anderen sehr klein und versteckt: wir waren bei einem original belassenen Eingang – dieser war kaum größer als in DinA 4 Blatt. Der darunter liegende Tunnel kaum höher als ein Bierkasten. Kaum vorstellbar, wie die Soldaten hier mit Gewehr und Montur herumgekrochen sind.

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Im späteren Verlauf gab es dann für Touristen vergrößerte Tunnel zu durchschreiten. Die enorme Hitze unter der Erde, die dicke, modrige Luft machten es dann kaum einfacher, durch den ca. 1 Meter hohe Tunnel zu „laufen“.

Um diese Tunnelsysteme ausfindig zu machen, setzten die Amerikaner irgendwann deutsche Schäferhundstaffeln ein. Doch hier verhalfen sich die Vietcong damit, erbeutete amerikanische Uniformen in Fake-Eingängen zu platzieren, welche dann letztendlich Falltüren waren. Ebenso benutzen sie amerikanisches Rasierwasser, um so von sich abzulenken. Die Fallen waren ürsprünglich zum Jagen großer Tiere konzipiert, allerdings wurden sie im Verlauf des Krieges immer hinterhältiger und schmerzhafter: sie sollten den Feind nicht töten, sondern nur verletzten/verstümmeln, sodass die Schmerzrufe der Opfer und die bei der Bergung benötigten weiteren Soldaten enormen psychischen Druck auf die Amerikaner aufbauten. Dass dann die Bambusstacheln der sog. Bamboo Trap oder Tiger Trap Falltüre zum Schutz vor Termiten in altes Motoröl getaucht wurden, machte die Wunden umso schwieriger in der Nachversorgung.

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Kochbunker hatten zum Abzug des Rauches verschiedene nachgeschaltete Smokechambers, damit die Amerikaner die Tunnel nicht anhand des Rauches finden konnten.

Schuhe bzw. Sandalen (die oft aus alten Reifen zusammengebastelt waren) wurden teilweise verkehrtherum getragen, damit die hinterlassen Fußspuren nicht in die richtige Richtung/zu Tunneleingängen führen.

Luftschächte waren durch halbierte Bambusstäbe in Erdhügeln versteckt merfach und wahllos angeordnet. Wurde ein solcher Schacht gefunden und bspw. mit einer Gasgranate bespickt, konnten die Vietcong im Untergrund einfach ein Level tiefer flüchten und das infiltrierte Gebiet abschotten.

Es gab sogar Tunnel bis in die amerikanischen Militärbasen. Diese wurde nachts durchwandert, um das Lager mit Landminen und aus Blindgängern hergestellten Sprengsätzen zu spicken.

Dieses ausgefeilte System der Guerilla begünstige bestimmt die Aggression der amerikanischen Soldaten – allerdings gelang es den Staaten nie, Cu Chi zu erobern und in das geplante Niemandsland umzuwandeln. Ein gewissermaßen gallisches Dorf im röm. Reich.

Am Ende der Tour wurde einem dann auch klar, woher die Schüsse stammten: es gab eine Schießanlage, auf der Touristen mit echten Waffen aus den Vietnamkriegen schießen konnten. Spätestens hier wurde einem klar, was für ein Stress ein Feuergefecht für Soldaten der Amerikaner als auch Vietcong gewesen sein muss. Natürlich, in die Lage der konstanten Bedrohung des eigenen Lebens kann man sich nicht hineinversetzen, allerdings war der ununterbrochene Lärm durch automatische Waffen ohne Gehörschutz kaum zu ertragen…

Wir können wirklich glücklich sein, dass wir unsere Freiheit einfach zum Geburtstag geschenkt bekommen, niemals dafür kämpfen mussten und ein Leben in Frieden führen können. Bei den derzeit internationalpolitischen Diskursen vielleicht mal kein schlechter Reminder…

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